Der perfekte Maulkorb
Viele Hunde kommen irgendwann in ihrem Leben in eine Situation, in der sie einen Maulkorb tragen müssen oder zumindest sollten. Aber woran erkenne ich, ob ein Maulkorb gut sitzt, und wie gewöhne ich meinen Hund richtig an einen Maulkorb? Genau das erfährst du hier.
Warum tragen Hunde einen Maulkorb?
Der Maulkorb ist ein treuer Begleiter vieler Hundebesitzer*innen. Die einen brauchen ihn nur in den öffentlichen Verkehrsmitteln, die anderen haben eine Hunderasse, die gesetzlich dazu verpflichtet ist, immer einen Maulkorb zu tragen. Wieder andere nutzen ihn beim Tierarzt. Manche haben einen Hund mit Verletzungsabsichten, der zur Sicherheit einen Beißschutz trägt, oder einen „Staubsaugerhund“, der draußen alles fressen würde und einen Maulkorb trägt, um zu verhindern, dass er einmal einen Giftköder aufnimmt. Manchmal kommen vielleicht Menschen zu Besuch, die Angst vor Hunden haben und sich sicherer fühlen, wenn der Hund einen Maulkorb trägt, oder vielleicht befindet man sich einfach an einem Ort, an dem Maulkorbpflicht herrscht. Egal, wo und wann, irgendwann kann jeder Hund einen Maulkorb brauchen.
Bei diesem Thema tun sich für einige Hundebesitzer*innen jedoch viele Fragen auf: Welcher Maulkorb passt meinem Hund? Worauf sollte ich beim Kauf achten? Welches Material ist am besten geeignet? Welcher Maulkorb ist bisssicher? Wie trainiere ich mit meinem Hund, damit er problemlos einen Maulkorb tragen kann? Und vieles mehr.
Wie diese Fragen zeigen, ist das Thema Maulkorb vor allem zu Beginn für viele ganz schön vielschichtig und unübersichtlich. Dazu kommt, dass wir in Internet, Fernsehen und Alltag häufig Hunde mit unpassenden und meist viel zu kleinen Maulkörben sehen, was es zusätzlich erschwert, sich bei der Auswahl eines passenden Maulkorbs für den eigenen Hund zurechtzufinden. Deshalb bekommst du hier alle Infos, die du brauchst, um den passenden Maulkorb für deinen Hund auszusuchen.
So erkennst du einen guten Maulkorb
Im Folgenden findest du eine Checkliste mit einigen Punkten, worauf du auf jeden Fall achten solltest, wenn du den perfekten Maulkorb für deinen Hund auswählst.
Hecheln und Trinken
Der Hund MUSS hecheln und trinken können! Das ist einer der häufigsten Gründe, warum ein Maulkorb nicht gut sitzt. Der Maulkorb ist in vielen Fällen einfach nicht tief genug. Das heißt, er wurde so bemessen, dass die Schnauze des Hundes nur dann gut in den Maulkorb passt, wenn der Hund das Maul geschlossen hat. Der Hund könnte sein Maul jedoch nicht weiter als maximal ein paar Zentimeter öffnen. Warum ist das problematisch?
Wenn uns Menschen heiß ist, schwitzen wir. Hunde können jedoch nicht schwitzen, sie hecheln. Das Hecheln beim Hund hat denselben Zweck wie das Schwitzen bei uns Menschen, damit kühlen Hunde sich ab. Vor allem im Sommer ist es für Hunde teilweise überlebensnotwendig, dass sie hecheln können, um so einen Hitzschlag zu vermeiden.
Wenn du also auf der Suche nach einem passenden Maulkorb bist, achte als Allererstes darauf, dass dein Hund hecheln kann. Dafür ist es wichtig zu wissen, wie weit dein Hund sein Maul normalerweise öffnet, wenn er hechelt, das kann nämlich von Hund zu Hund etwas unterschiedlich sein. Im ersten Moment kann ein solcher Maulkorb, in dem der Hund problemlos hecheln kann, eventuell etwas zu groß erscheinen, wenn der Hund das Maul geschlossen hat. Hier siehst du zur Orientierung ein Bild von einem Maulkorb, der tief genug ist.
Groß genug!
Der Maulkorb sollte auch seitlich und überall dort, wo er den Kopf des Hundes berührt, weit genug sein. Es ist wichtig, dass der Maulkorb nicht zu eng ist oder das Gesicht einschneidet. Das ist unangenehm und schränkt den Hund zusätzlich ein. Der Hund sollte durch das Tragen des Maulkorbs keine Kratzer, Druckstellen oder Verletzungen davontragen.
Freie Sicht
Der Maulkorb sollte genug Abstand zu den Augen lassen, sodass die Sicht des Hundes nicht eingeschränkt ist. Wenn der Hund schlechter sieht, kann das dazu führen, dass er sich unsicherer fühlt, wenn er den Maulkorb trägt, und dass er ihn als Folge nicht mehr gern tragen möchte.
Platz für die Nase
Zwischen Nase und Maulkorb sollte ca. ein Fingerbreit Platz sein, sodass der Maulkorb nicht auf die Nase drückt und den Hund dadurch einengt oder zu Verletzungen führt.
Gut gepolstert
Der Maulkorb sollte am Nasenrücken gepolstert sein, sodass es zu keinen Druckstellen kommt und der Hund durch das Tragen des Maulkorbs keine Schmerzen hat.
Achtung!
Eine Maulschlaufe ist kein Maulkorb. Eine Maulschlaufe erfüllt das wichtigste Kriterium für einen guten Maulkorb nicht. Der Hund kann sein Maul nicht öffnen und kann nicht hecheln. Eine Maulschlaufe darf also niemals für längere Zeiträume angelegt werden und eignet sich überhaupt nicht als Maulkorb bei längeren Ausflügen oder Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Nicht jeder Maulkorb ist beißsicher!
Wir Menschen haben oft das Gefühl, dass ein Hund nicht mehr beißen kann, sobald er irgendeinen Maulkorb trägt. Das ist so jedoch nicht richtig, denn nicht jeder Maulkorb ist beißsicher. Das ist vor allem dann wichtig und zu bedenken, wenn der Hund zur Absicherung einen Maulkorb trägt, weil er in gewissen Situationen andere Tiere oder Menschen verletzen könnte.
Ob ein Maulkorb beißsicher ist oder nicht, ist vor allem abhängig von dem Material, aus dem er besteht. Wenn das Material weich ist und sich bei Druck verbiegen lässt, dann ist er nicht verlässlich beißsicher. Biothanemaulkörbe, Stoffmaulkörbe, Plastikmaulkörbe und Ledermaulkörbe sind daher alle nicht immer beißsicher, aber natürlich halten auch diese Maulkörbe viele versuchte Bisse auf, und es wird erst dann gefährlich, wenn ein Hund es wirklich ernst meint und viel Kraft hat.
Wenn dein Hund nur deshalb einen Maulkorb trägt, weil eine generelle Maulkorbpflicht besteht oder weil er daran gehindert werden soll, etwas vom Boden zu fressen, dann muss der Maulkorb natürlich nicht hundertprozentig beißsicher sein. Für solche Situationen kannst du für deinen Hund natürlich auch einen Maulkorb aus weicheren Materialien wie Plastik oder Biothane wählen.
Welcher Maulkorb ist nun beißsicher?
Wirklich beißsicher sind vor allem Drahtmaulkörbe, denn diese bestehen aus einem festen Material, das sich nicht verbiegen lässt. Drahtmaulkörbe haben jedoch auch einige andere Vorteile, weshalb sie auch sehr empfehlenswert sind, wenn dein Hund aus anderen Gründen einen Maulkorb tragen muss. Sie sind grundsätzlich wenig einschränkend, weil sie offen sind und nur aus dünnen Drahtstäben bestehen, beispielsweise im Vergleich zu dicken Lederriemen. Dadurch entstehen große Zwischenräume, die sich gut dafür eignen, den Hund durch den Maulkorb hindurch mit Leckerlis zu belohnen. Ein weiterer Vorteil von Drahtmaulkörben ist, dass sie gut maßangefertigt werden können und ebenso sehr gut angepasst werden können, wenn sie noch nicht ideal sitzen. Und sogar wenn du einen Maulkorb für deinen Staubsaugerhund suchst, damit er beim Gassigehen keine potenziellen Giftköder fressen kann, ist ein Drahtmaulkorb ideal für dich, weil man daran problemlos einen Fressschutz montieren kann.
So trainierst du das Maulkorbtragen
Wenn man dem Hund einen Maulkorb ohne Vorübung anzieht, wird er das als unangenehm empfinden, weil plötzlich ein unbekanntes Objekt an sein Gesicht geschnallt wurde und nicht mehr weggeht. Wir können das bestimmt gut nachempfinden, wenn wir an den Beginn der Corona-Pandemie denken, wo wir plötzlich Masken tragen mussten – die allermeisten Menschen fanden das nicht besonders toll. Der Hund wird wahrscheinlich immer wieder versuchen, den Maulkorb abzustreifen, kann somit eine Abneigung ihm gegenüber entwickeln und ihn sich irgendwann gar nicht mehr anziehen lassen.
Dem können wir jedoch entgegenwirken, indem wir den Maulkorb nicht einfach umschnallen, sondern erst mal beginnen, positive Verknüpfungen damit zu schaffen. Der Hund soll merken, dass es sogar Vorteile für ihn hat, die Nase in das komische Ding zu stecken. Das führt nämlich dazu, dass er den Maulkorb nicht mehr negativ wahrnimmt und ihn entspannt im Alltag tragen kann.
Keine Sorge, das Training ist gar nicht so kompliziert, wie es vielleicht klingt. Hier habe ich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für dich, wie du noch heute beginnen kannst, deinen Hund an seinen neuen, passenden Maulkorb zu gewöhnen.
Wichtig vorab: Starte das Training an einem ruhigen, ablenkungsfreien Ort, sodass du dich ganz auf den Maulkorb konzentrieren kannst. Im Idealfall beginnst du das Training zu Hause, in der gewohnten Umgebung deines Hundes, wo er sich wohl und sicher fühlt. Das ist deshalb wichtig, weil sich äußere Einflüsse und Stressoren natürlich auch auf die Wahrnehmung des Maulkorbs auswirken können.
Für die ersten Schritte brauchst du einen passenden Maulkorb, einen Hund und gute kleine Leckerlis, zum Beispiel Käse, sehr hilfreich ist auch Leberwurst.
Schritt 1
Starte, indem du ein Leckerli in den Maulkorb legst oder etwas Leberwurst hineinschmierst. Halte den Maulkorb jetzt vor deinen Hund. Wichtig! Stülpe den Maulkorb NICHT direkt über die Nase deines Hundes. Jetzt darf dein Hund neugierig werden und sich dem Maulkorb langsam, in seinem Tempo nähern. Wenn der Hund das Gefühl hat, er kann jederzeit kommen und gehen, ist das viel angenehmer für ihn und er nimmt den Maulkorb positiver wahr, als wenn er sich sofort darin eingesperrt fühlt. Mach den Maulkorb deshalb auf keinen Fall sofort zu, wenn der Hund seine Nase hineingesteckt hat. Lass den Hund danach auch sofort wieder raus, wenn er das möchte. So kann der Hund lernen, dass es nur Vorteile für ihn hat, seine Nase in den Maulkorb zu stecken, weil er dort Leckerlis bekommt, aber auch jederzeit wieder raus kann. Das ist am Anfang sehr wichtig!
Wenn dein Hund bereits skeptisch ist und sich nicht traut, seine Nase in den Maulkorb zu stecken, um den Keks herauszuholen, dann darfst du das Training noch kleinschrittiger gestalten. Zeige deinem Hund den Maulkorb nur, und sobald er in die Richtung des Maulkorbs schaut, belohne ihn mit einem Leckerli. Er darf sich so in seiner eigenen Zeit dem Maulkorb annähern. Wenn du das ein paarmal wiederholt hast, wirst du schnell merken, dass sich dein Hund immer näher zum Maulkorb traut. Du kannst ihn für jeden weiteren Schritt belohnen, bis er irgendwann die Nase hineinsteckt und das Leckerli herausholen kann. Wichtig: Sei geduldig und gib deinem Hund Zeit, damit er positive Erfahrungen mit dem Maulkorb machen kann.
Schritt 2
Jetzt geht es darum, die Zeit im Maulkorb zu verlängern, sodass der Hund seine Nase nicht nur kurz reinsteckt und sofort wieder rauswill. Dafür kann es zum Beispiel hilfreich sein, Leberwurst in den Maulkorb zu schmieren, sodass der Hund etwas länger braucht, bis er damit fertig ist. Eine andere Möglichkeit ist es, auch von außen mehrere Leckerlis hintereinander in den Maulkorb zu stecken, sodass es sich für den Hund lohnt, seine Schnauze länger im Maulkorb zu lassen. Das kannst du dann weiter und weiter ausdehnen und irgendwann die Abstände zwischen den Leckerlis langsam erhöhen, sodass dein Hund entspannt länger mit der Nase im Maulkorb bleiben kann. Gut ist es außerdem, wenn du den Maulkorb dazwischen wieder wegnimmst, sodass nicht der Hund entscheidet, dass er jetzt genug hat, und wieder aus dem Maulkorb hinausmöchte, sondern dass der Maulkorb manchmal kurz verschwindet, obwohl der Hund vielleicht gern länger dringeblieben und Kekse gefressen hätte.
Wichtig! Mache nicht zu lange Trainingseinheiten, bis es dem Hund irgendwann zu viel wird und er nicht mehr möchte. Halte die Trainingseinheiten anfangs lieber kurz und mach währenddessen viele Pausen, sodass es dem Hund die ganze Zeit Spaß macht und er es gern macht. So freut er sich auf die nächste Trainingseinheit. Achte außerdem darauf, dass du regelmäßig kurze Trainingseinheiten machst, am besten jeden Tag, dann wird dein Hund nämlich schnell Fortschritte machen.
Schritt 3
Wenn du so weit bist, dass dein Hund gern in den Maulkorb geht und auch darinbleibt, wenn es nicht sofort einen Keks gibt, ist es Zeit für den nächsten Schritt, das Schließen des Maulkorbs. Auch das muss bei manchen Hunden kleinschrittig aufgebaut werden, weil es eine weitere Einschränkung bedeutet und der Hund plötzlich nicht mehr so einfach jederzeit aus dem Maulkorb rauskommt. Das bedeutet, dass du erstmals die Riemen des Maulkorbs nur an den Kopf des Hundes anlegst, den Hund belohnst und sie sofort wieder wegnimmst. Das wiederholst du ein paarmal, bis es kein Problem mehr ist. Wenn du dann den Maulkorb für die ersten Male komplett schließt, achte darauf, den Hund viel dafür zu belohnen und zu beschäftigen, sodass er nicht irgendwann versucht, den Maulkorb abzustreifen. Achte außerdem darauf, den Maulkorb nach wenigen Sekunden bis Minuten wieder auszuziehen, sodass es stets eine positive Erfahrung für den Hund bleibt. Wenn das alles gut funktioniert, dann geht es nur noch darum, die Zeit das Maulkorbtragens langsam weiter auszudehnen.
Wenn du diese drei Trainingsschritte befolgst und regelmäßig übst, dann ist dein Hund auf jeden Fall aufs Maulkorbtragen gut vorbereitet. Wenn du dir trotzdem noch unsicher bist, wie du den Maulkorb am besten aufbaust, wenn dein Hund schon schlechte Erfahrungen damit gemacht hat und jetzt eventuell bereits Probleme damit hat oder wenn du dir eine persönliche Anleitung dabei wünschst, wende dich gern an positiv arbeitende Hundetrainer*innen zur Unterstützung. Viel Spaß beim Trainieren!












